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 Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?

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Androgyn
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BeitragThema: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   So Sep 05, 2010 7:06 pm

Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?

Thesen:

Aus meiner Sicht sicherlich auch aus fast den gleichen Gründen, wie Frauen sich kleiden.

Dabei steht jedoch bei der Männermode alleinig Prestige, Anerkennung und Funktionalität im Vordergrund.

Männerkleidung ist ausschließlich und nur funktional. Also in erster Linie ein Schutz vor der Witterung und mit Taschen und Gürtelschlaufen, die das nötigste Survivalmaterial im Großstadtdschungel verstauen lassen. Unerwünscht sind unnötiges, modisches Beiwerke. Schnitte müssen praktisch sein, und Farben ähnlich einem Tarnanzug in der Masse der Männermode unauffällig. Eine Krawatte oder eine Fliege ist die einzige Ausnahme im Bereich der gesellschaftsfähigen Kleidung, die sich Männer anscheinend gestatten dürfen.

Das könnte nach wie vor etwas mit unserer kulturell bedingten Geschlechterhierarchie zu tun haben?

Die Geschlechter werden bei uns immer noch nicht gleichwertig angesehen. Rechtlich zwar „Ja“, gesellschaftlich aber noch nicht unbedingt. Der Mann mit seinem traditionellen Rollenverhaltensmuster gilt nach wie vor als erstrebenswert.

Das könnte ein Erklärungsversuch sein, weshalb Frauen ohne Ansehensverlust männliche Attribute im Verhalten oder Kleidung problemlos übernehmen können, dies aber umgekehrt kaum zugelassen, oder gar akzeptiert wird.

Zwangsläufig halten Männer mehrheitlich noch an der klassischen Rollenverteilung fest. Sie haben kaum konkrete positive Leitbilder vom »neuen Mann«, an denen sie sich orientieren können.
Hinzu kommt, dass auch Frauen das traditionelle Rollenbild vom starken Mann gerne dann reproduzieren, wenn es ihnen in Teilausschnitten zusagt. Der „Mann“ bleibt damit optionslos, wenn es um eine allumfassende „Beschützerrolle“ geht, während die Damenwelt jegliche Option beansprucht, berufstätig zu sein oder Hausfrau oder beides.

Frauen sind heute ausgesprochen selbstbewusst, dynamisch und mit klaren Zielen offensiv tätig.

Männer sind hingegen zunehmend verunsichert. Denn die Ziele von Frauen und Männern erscheinen ihnen - den Männern - heutzutage als unvereinbar. Sie fühlen sich hin- und hergerissen zwischen „Modernem Mann“ und „Traditionellem Mann“. Das führt zu einer Krise ihrer (Geschlechts- und Partnerschafts-)Identität sowie in ihrer Rolle in Familie, Beruf, Vereinen etc.

Frauen ebnen sich sukzessive den Weg, um Familie und Karriere zu vereinbaren und um in Männerdomänen einzubrechen. Gleichzeitig sollen Männer aber neben ihrer Pflicht als (Haupt-)Ernährer mehr für die Erledigung im Haushalt tun, mehr für die Kinder da sein und klassische »weibliche« Eigenschaften bei sich entdecken und zeigen, aber auch weiter ihre männlichen Attribute behalten. Ja was denn nun?

Ich habe den Eindruck, Frauen seien auf dem Weg zu Gleichstellung und zu einer ganzheitlichen Identität bereits deutlich weiter als Männer, die in diesem Prozess noch recht am Anfang stehen, bzw. das Problem schlicht weiterhin negieren wollen und dümmlicherweise in Traditionsmustern verharren.

Wird dieser Diskurs der Alltagswirklichkeit gerecht?

Im Selbstbild und Lebensentwurf der Männer hat sich sicherlich etwas getan. Die Frauenbewegung hat die tradierten Leitbilder von Weiblichkeit aufgebrochen, und damit auch das traditionelle Männlichkeitsmodell. Die langsam, sehr langsam wandelnder Rollenbilder bedürfen aber keiner starken soziologischen Lupe, um zu erkennen, dass das traditionelle Männerbild in der Gesellschaft noch überwiegend vorhanden ist.

Zurück zur Frauen- und Männermode:

Mir ist unklar, weshalb Männer unbedingt darauf beharren wollen, dass nur sie im übertragenen Sinne die Hosen anbehalten wollen, obwohl sie diese bereits seit langem an die Frauenwelt verloren haben. Die Hose ist nicht mehr alleiniges Sinnbild eines Mannes.

Ebenso ist der Rock gerade heutzutage nicht mehr Sinnbild von Weiblichkeit. Er war es sogar in der Modegeschichte noch nie.

Mode hatte immer etwas mit einer gewissen Normierung von gesellschaftlich anerkannter Kleidung zu einer jeweiligen Zeitspanne zu tun. Die derzeitige Ansicht, dass Röcke nur Frauen vorbehalten sein soll, wird in der weiteren geschichtlichen Entwicklung von Mode meiner Hoffnung nach nur ein sehr kurzer Exkurs gewesen sein.

Natürlich wirken in Frauen- und Männermode unglaublich viele Faktoren ein. Das hängt mit unseren Grundbedürfnissen als Menschen zusammen, aus denen die diversen Modeerscheinungen psychologisch erklärt werden könnten:

Z.B. das Grundbedürfnis nach Beachtung, aufzufallen oder Interesse zu wecken. Das Grundbedürfnis nach Anerkennung, Bedeutung und sich selbst und Anderen zu gefallen.
Weiterhin wichtig sind die Bedürfnisse nach Abwechslung und Individualität, wobei letzteres mit dem Wunsch nach Konformität im Widerspruch zu stehen scheint. Aber eben nur dann, wenn vermutet wird, dass z.B. ein Anzug als sozialprestigeträchtig angesehen wird.

Damit wird Kleidung aber nach wie vor auch als Darstellung eines geschlechtertrennenden Sozialstatuses verstanden. Das trifft meist aber nur zufällig zu. Die Gesellschaft versucht immer noch, Männer und Frauen in harten Schwarz-Weiß-Tönen über die Mode zu definieren. Das schafft gerade heute ein völlig falsches Spiegelbild der Realitäten.

Damenmode ist gerade heutzutage eine Darstellung und unglaubliche Möglichkeit für die individuelle Persönlichkeit und zwar völlig egal, was „Frau“ trägt.
Die körperlich bedingten Unterschiede zwischen Frau und Mann erklären bei Weitem nicht die enormen Variationen zwischen männlicher und weiblicher Kleidung, die wir in Kaufhäusern wahrnehmen können.

Historisch mag es so sein, dass sich bestimmte Kleidungsregeln für Männer und Frauen herausgebildet haben, die zu stark unterschiedlicher geschlechtsspezifischer Kleidung geführt haben.

Hosen für Männer, Röcke für Frauen.

Letztlich war es Willkür bzw. historischer Zufall, dass heutzutage Frauen Röcke tragen und Männer nicht. Ebenso wird es irgendwann ein historischer Zufall sein, dass Frauen Hosen tragen und Männer etwa keine Röcke.

Ich als Mann will lediglich das tragen dürfen, was mir zusagt. Was immer das sein mag.

Gesellschaftliche Normen sind Zeitgeist in einem Zeitabschnitt.

Mein Sternzeichen ist Wassermann.

Beste Grüße
Androgyn
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mo Sep 06, 2010 2:12 pm

Hallo Androgyn,

ich lese immer wieder gerne Deine Beiträge, weil sie inhaltlich gut erläutert sind und die heutige Situation in der Mode gut umschreiben.

Tja, für wen kleiden sich Männer? Wohl auschliesslich aus zwei Gründen: Dem traditionellen Rollenmuster gerecht zu werden, also funktional. In der Freizeit 0815-Klamotten, im Job Anzug.
Zweitens: Ersatzbeschaffung. Denn mehr als was Neues kaufen, wenn ein Kleidungsstück verschlissen ist, gibt die Männermode ja nicht her.

Womit wir ja schon an einem Punkt angelangt sind, dass es faktisch gar keine Mode für Männer gibt, um seine Persönlichkeit zu unterstreichen. Ergo kann man sagen: Mode gibts nur für Frauen. Damit schliesst sich auch der Kreis, dass Kleidung für Männer in Schnitt, Form und Farbe einfach langweilig und beschissen aussieht, gemäss dem Prinzip: Am Mann soll nichts schön sein, sondern nur funktional.
Schöne Kleidung, womit man seinen eigenen Stil setzen kann, gibt es also eigentlich nur in der Damenabteilung.

Ich trage auch das, was mir zusagt und ignoriere die Hinweisschilder, weil ich die Trennung der Mode nach Geschlecht eigentlich für irrelevant halte, wenn man heute sieht, dass eigentlich sich Damenkleidung und Herrenkleidung immer mehr angleichen.

Schreibe später noch mehr dazu.
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Androgyn
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mo Sep 06, 2010 8:12 pm

Hey….

Zunächst besten Dank. Ich Tippelle hier im Forum aber nicht uneigennützig. Schreiben hilft mir persönlich für mich etwas Licht in das Dunkel zu bringen. Also nachzudenken und auch hoffentlich verständlich zu formulieren. Denn Manches ist mir fast völlig unerklärlich.

Es geht mir niemals darum etwa mit irgendeiner These Recht zu haben, sondern Denkanstöße zu liefern und Diskussionen anzuregen. Mehr Beteiligung wäre natürlich wünschenswert.

Zurück zum Thema:

Menschen inszenieren sich in der Mode immer als "Männer" oder "Frauen" je nachdem, was für eine Zielrichtung verfolgt werden soll.

Beide Geschlechter haben offenbar das Bedürfnis, Produkte mit gleicher Funktion nach jeweiligem Geschlecht unterschiedlich zu gestalten und zu benützen. Ich erinnere an Rasierapparate. Für Frauen z.B. rosa, für Männer blau. Die Funktion ist in beiden Fällen analog, nämlich schlicht Haare rasieren.

Damit sollen möglicherweise sichtbare Grenzen zum anderen Geschlecht gezogen werden. Diese Grenzen markieren aber gleichzeitig eine subtile Hierarchie. Denn sozial ist es nicht egal, ob und wann Männer so genannte Frauenprodukte verwenden, da sie eine Abwertung für ihren Geschlechtsstatus anscheinend bedeuten könnten.

Für Frauen ist hingegen der Griff zu einem "männlich" erscheinenden Produkt mit einer Aufwertung verbunden. Die ganze Wahrheit kann das aber immer noch nicht sein, denn dann würden sämtliche Frauen nur noch Männerprodukte benutzen. Oder kommt das noch? *ROFL*

Was unterscheidet Kleidung, die auch Männer anziehen würden, von echter Frauenkleidung?

Für mich ist die Frage relativ einfach zu beantworten, denn es geht in jedem Fall um die Betonung geschlechtsspezifischer, körperlicher Vorzüge bei Frauen als auch bei Männern. Zweifellos dient weibliche Kleidung dazu weibliche Körperformen herauszustellen und so die Attraktivität der Trägerin für Männer zu erhöhen.

Für männliche Keidung könnte das ebenso gelten. Muscle-Shirts und Jeans sind ebenso wie Jacken, die breitere Schultern machen, Statements, die an das andere Geschlecht adressiert sind. Nur war es das schon? Ist das Alles?

Wer verbietet Männern Röcke zu tragen, Farben/Muster, neue Schnitte und neue Materialien ins Spiel zu bringen? Wer hat den Frauen zugestanden, alles zu verwenden, sogar von der Männermode einfach zu übernehmen und es umgekehrt den Männern gänzlich verboten? Wer hat diese seltsamen gesellschaftlichen Regeln aufgestellt?

Möglicherweise kleiden sich Frauen dann männlich, wenn sie männliche Attribute übernehmen, und dieses Signal nach außen tragen wollen. So trägt die weibliche Lastwagenfahrerin burschikos ein kariertes Holzfällerhemd und Jeans. Der Businessanzug wird von der Geschäftsfrau bevorzugt etc..

Wenn nun heutzutage die Frauenwelt darauf pocht, dass Männer sich in ihrem überkommenen Rollenverhalten ändern sollen, also auch weibliche Attribute im Verhalten aufnehmen sollen, stellt sich die Frage nach einer emanzipierten Männermode sehr wohl gerade aus diesem Grunde.

Keine Frage, geschlechtsspezifische Kleidung muss dann nach wie vor zumindest unterschiedlich geschnitten sein. Z.B. brauchen körperbetonte Damenblusen Abnäher wegen der Brüste, Männerhemden nicht. Frauen benötigen für ihre Bequemlichkeit (z.B.. beim Sport) stützende BHs, Männer nicht…usw.

Ansonsten aber sehe ich in der Damenmode immer wieder Kleidung, die ohne weiblichen, körperbetonten Schnitt durchaus auch von Männern getragen werden könnte und zwar durchaus auch um die körperlichen Vorzüge eines Mannes zu betonen und attraktiver für das andere Geschlecht zu gestalten. Denn die derzeitige Männermode kann unmöglich wirklich attraktiv auf das andere Geschlecht wirken?

Ein Beispiel mag der Männerrock sein. Meine Erfahrung und die immer wieder in Foren beschriebene sind, dass Frauen den Rock am Mann höchst sexy und interessant empfinden. Allerdings weniger am eigenen Mann.
Für mich dringt dann regelmäßig lediglich Sozialprestige durch. Der eigene Mann soll nach außen hin weiterhin dem Rollenklischee entsprechen und damit gesellschaftspopulär vorzeigbar sein.

Ich würde meine Freundin verstoßen, wenn es ihr nicht um sie – sie mag meine Röcke – und um mich ginge, sondern um ein verspießtes gesellschaftliches Umfeld.

Beste Grüße
Androgyn


Zuletzt von Androgyn am Mo Sep 06, 2010 8:21 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mo Sep 06, 2010 8:17 pm

@teerpirat schrieb:

...
Womit wir ja schon an einem Punkt angelangt sind, dass es faktisch gar keine Mode für Männer gibt, um seine Persönlichkeit zu unterstreichen. Ergo kann man sagen: Mode gibts nur für Frauen.
...


... das denke ich, wenn ich heutige Männer auf der Straße so sehe, auch immer wieder: eigentlich gibt es nur Mode für Frauen.

Ganz sicher bin ich mir allerdings noch nicht. Denn in der Vergangenheit, also in Europa - soweit Bilddarstellungen verfügbar - etwa in den letzten 1.000 Jahren gab es schon so etwas wie Mode auch bei Männern. Nur vollzog sich diese in viel, viel längeren Zyklen, es gab also nur etwa alle 100 bis 200 Jahre wirkliche Neuerungen.

Möglicherweise ist das jetzt zu Ende gekommen und wir erleben gerade das definitive Ende von Männermode (womit die obige Aussage - als aktuell erlebbarer Zustand - dann wieder stimmen würde).

Ein bißchen Hoffnung habe ich aber noch, dass sich auch bei Männern in absehbarer Zeit etwas ändern wird, und noch geben mir die vielen Designer, von denen immer mehr wirklich Neues erschaffen, diese Hoffnung ...

Nur der Handel und natürlich auch die Männer selbst (in ihrer großen Mehrzahl jedenfalls) müssen sich noch etwas bewegen ...
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mo Sep 06, 2010 10:51 pm

@Androgyn schrieb:

Ansonsten aber sehe ich in der Damenmode immer wieder Kleidung, die ohne weiblichen, körperbetonten Schnitt durchaus auch von Männern getragen werden könnte und zwar durchaus auch um die körperlichen Vorzüge eines Mannes zu betonen und attraktiver für das andere Geschlecht zu gestalten. Denn die derzeitige Männermode kann unmöglich wirklich attraktiv auf das andere Geschlecht wirken?

Um mal näher auf diese Zeilen einzugehen:

Ich erlebe immer wieder, dass manche Leute mich irritiert anschauen, wenn ich mit 3/4-Hose und offenen Sandalen komme. An sich eigentlich ist die Kombi in der warmen Jahreszeit häufig bei Männern anzutreffen.
Nur bei mir gibts bei der Kleidung einige kleine Unterschiede: Meine 3/4-Hosen sind umgenähte Jeans und liegen daher enger am Bein und haben ausserdem keine Cargotaschen - obwohl es Männerjeans sind. Und dieser kleine Unterschied fällt anscheinend stark auf. Dazu noch Sandalen aus der Damenabteilung, die keinerlei Verzierungen aufweisen und auch ansonsten äusserlich nicht wirklich nach Damensandalen aussehen - der Unterschied besteht lediglich darin, dass statt Klettverschlüssee Lederriemchen vorhanden sind und die Sohle sehr dünn ist.

Schon merkwürdig, dass kleine Unterschiede viel ausmachen, dass die Leute ein Kleidungsstück nach dem Geschlecht zuordnen:
Enge Hosen = Damenhosen, Sandalen mit dünner Sohle und dünnen Riemen = Damensandalen. Obwohl beides geschlechtsneutral ist.
Noch dazu trage ich oft eine Jacke, die einem Damenblazer stark ähnelt, obwohl es eine Herrenjacke ist - kein Wunder, dass die Leute gucken. Ich amüsiere mich köstlich, wenn ich die verdutzten Gesichter sehe. Very Happy
Gerade heute wieder, als ich beim Arzt im Warteraum war, bin ich von oben bis unten gemustert worden.

Früher hätte ich noch nicht soviel Traute gehabt, so unter die Leute zu gehen, aber inzwischen ist es für mich selbstverständlich und freue mich auch sehr darüber, das zu tragen, was MIR gefällt.
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 5:56 am

@teerpirat schrieb:

...
Ich erlebe immer wieder, dass manche Leute mich irritiert anschauen, wenn ich mit 3/4-Hose und offenen Sandalen komme.
...

Schon merkwürdig, dass kleine Unterschiede viel ausmachen, dass die Leute ein Kleidungsstück nach dem Geschlecht zuordnen:
Enge Hosen = Damenhosen, Sandalen mit dünner Sohle und dünnen Riemen = Damensandalen. Obwohl beides geschlechtsneutral ist.
...

... ich denke, es ist die allgemeine Erwartungshaltung der Mitmenschen, die solche Reaktionen auslösen:

bei Männern lautet die: unauffällig (schlabberig o. spießig) oben, Allerwelts-Hose unten, Schuhe unscheinbar (gerne auch Opa-Sandalen o. verdreckte Turnschuhe);

bei Frauen lautet die: alles erlaubt (gerne auch quietschbunt, schrill o. "experimentierend").



Dahinter steckt die überkommene und die seit den 1968ern revolutionierte Erwartungshaltung zugleich:

Männer haben zu funktionieren, Frauen dürfen sich selbstverwirklichen (und gewinnen jeweils dadurch ihren sozialen Status).

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teerpirat
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 8:26 am

nancyboy schrieb:


Männer haben zu funktionieren, Frauen dürfen sich selbstverwirklichen (und gewinnen jeweils dadurch ihren sozialen Status).


Ich höre immer wieder, dass Frauen einen Beruf ausüben aus dem Grund, sich selbst zu verwirklichen. Für mich ist Arbeit einfach nur eine tägliche Mühsal, um sich die Kohle zu verdienen.
Wenn wir mal ehrlich sind, haben doch eigentlich nur wenige Leute ihren Traumberuf gefunden, in dem sie ihre vollkommene Erfüllung finden.
Mobbing am Arbeitsplatz ist immer häufiger anzutreffen, und das bei Männer und Frauen gleichermassen.

Sich selbst verwirklichen - davon kann man doch eigentlich nur sprechen, wenn man den Beruf hat, in dem man ganz aufgeht, der einem wirklich Spass macht, oder?


Zuletzt von teerpirat am Di Sep 07, 2010 10:01 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Androgyn
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 3:29 pm

Hey…

Ich hatte mir mal überlegt, welche Kleidung nebst Accessoires
1.)ausschließlich nur von Frauen,
2.)welche ausschließlich nur von Männern und
3.)welche von beiden Geschlechtern als Schnittmenge, also Unisex getragen wird.

Um das Ergebnis abzukürzen…. Es gab nur ein einziges exklusives Kleidungsstück, das ausschließlich und nur von Männern getragen wird. Es war das Latexkondom.

Frauenmode muss in erster Line nicht etwa praktisch sein. Es geht vielmehr um ästhetische und individuelle Selbstdarstellung. HighHeels sind z.B. sicherlich nicht praktisch, wirken sich aber optisch in Körperhaltung und Bewegung ungemein ansprechend aus. Der Körper wird in den Bewegungsabläufen insgesamt dadurch bewusster eingesetzt. Und welche Frau würde es hinnehmen, wenn z.B. bei einem Opernbesuch alle Frauen exakt das gleiche Kleid tragen würden?

Männermode ist tatsächlich völlig anders. Individuelle Selbstdarstellung ist nicht erwünscht. Die Männerkleidung soll sich im Hintergrund abspielen. Im Vordergrund stehen Ernsthaftigkeit, Sachorientierung, unauffällige Zurückhaltung, Respekteinflößendes, etc. Der neutrale Einheitsanzug ist unangreifbar, da er von allen getragen wird. Der Anzug wird also als eine Art Ritterrüstung verstanden.

Ich bin Anzugträger im Berufsleben. Und ich bin der Meinung, dass neutrale Kleidung im Beruf durchaus Sinn machen kann. Denn Kleidung kann von dem Zweck einer tagtäglichen professionellen Berufsausübung durchaus ablenken und sogar höchst hinderlich sein.

Das könnte auch erklären, weshalb Frauen den Anzug als „Blaumann“ in einer Arbeitskleidung übernommen haben.

Hinzu kommt, dass Frauen mehr und mehr in Männerberufe vordringen. Ein Mädel im rosa Rüschenkleid dürfte als KFZ-Mechanikerin für Aufsehen sorgen? Der einheitliche „Blaumann“, mal als Anzug, mal als Latzhose haben somit je nach Branche und Berufsausübung durchaus eine Berechtigung.

Völlig anders sehe ich dieses im Freizeitverhalten zu Mode. Denn dort muss es in jedem Fall um individuelle Selbstdarstellung für Frauen und Männer gehen.

Das Problem ist, dass es für Männer keine Freizeitmode gibt, die dem Anspruch auf Individualität auch nur näherungsweise gerecht werden könnte. Oder soll ich eine Mickymauskrawatte, oder völlig blödsinnige T-Shirt-Aufdrucke, Cargohosen etwa als Ausdruck von Individualität verstehen?

Für mich stellt sich Frauen- und Männermode als Einbahnstrasse dar.

Männermode ähnelt für mich dem Ford T-Model (Tin Lizzy) vom Fließband aus dem Jahre 1908. Wir Männer rattern mit diesem Vehikel in die Einbahnstrasse rein.

Frauenmode hat hingegen eher etwas mit einem modernen und individuell angefertigten Ferrari in Bestausstattung für die Besitzerin zu tun.

Das Blöde ist, dass uns Männern nur gestattet ist, in der richtigen Richtung in der Einbahnstrasse uns FORDzubewegen.

Die Mädels interessiert diese Verkehrsregel nicht, sondern sie kommen uns mit ihren Ferraris forsch entgegen und drängen uns auf den Randstreifen. Um mit ihnen nicht in Kollision zu geraten, bleiben wir Männer galant auf dem Seitenstreifen einfach stehen. Wir kommen also nicht vorwärts, sondern beobachten lediglich erstaunt das Vorbeihuschen der Ferraris.

Eine gute Idee wäre es als Mann einfach umzudrehen und uns dem tatsächlichen Verkehrsfluss einfach anzupassen? Verkehrsregeln hin oder her ?

Beste Grüße
Androgyn

P.S. Gestern bin ich u.a. wieder durch H & M gestreift.
In der kleinen Herrenabteilung waren wieder die alljährlichen Holzfällerhemden zu finden. Natürlich auch Cargohosen. Die Herrenabteilung hatte ich wieder einmal in bestenfalls etwa 1 Minute durch. Es war nichts anderes als der übliche hässliche Einheitsbrei von Jahr zu Jahr zu erwarten.

Es macht schlicht keinen Sinn dort auch nur Hineinzublicken.

Mädelsmode wechselt hingegen bei H & M fast wöchentlich. Es macht deutlich mehr Spaß dort nach Kleidung zu suchen, die u.U. auch für Männer tragbar wäre.

Letztlich sollte H & M seine Männerabteilung auf einen einzigen Ständer reduzieren und in den Regen vor dem Eingang platzieren. Das könnte Kosten sparen und den Gammellook nicht etwa abwerten oder schaden, denn dieser Mist sieht so oder so von Jahr zu Jahr besch…en aus.
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teerpirat
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 4:37 pm

@Androgyn schrieb:

Letztlich sollte H & M seine Männerabteilung auf einen einzigen Ständer reduzieren und in den Regen vor dem Eingang platzieren. Das könnte Kosten sparen und den Gammellook nicht etwa abwerten oder schaden.

Genau. Gemäss dem Satz, den ich mal in einem Forum gelesen hatte: Männer laufen neben schön gekleideten Frauen wie die letzten Heckenpenner rum. Da passt es durchaus, dass man die Klamotten gleich vom Regen versifft kaufen kann. aaah

Ich allerdings fühle mich in adretter und sauberer Kleidung wohler. Gepflegte Kleidung scheint beim Mann aber nur dann erwünscht zu sein, wenn er Anzug trägt. Die Freizeitmode muss so gammlig wie möglich sein, damit die Frauen umso mehr glänzen können.
Auch wenn die Frauen sich heute überwiegend in Hosen und flachen Schuhen kleiden, die Damenmode ist immer so konstruiert, dass Frau nicht mit Reizen geizen muss.

Hey, wir Männer haben auch Körperformen, die wir in Szene setzen können. Wir haben keine Brüste, aber dafür in der Regel weniger Problemzonen!


Zuletzt von teerpirat am Di Sep 07, 2010 9:59 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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lyfa
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 4:48 pm

@Androgyn schrieb:


P.S. Gestern bin ich u.a. wieder durch H & M gestreift.
In der kleinen Herrenabteilung waren wieder die alljährlichen Holzfällerhemden zu finden. Natürlich auch Cargohosen. Die Herrenabteilung hatte ich wieder einmal in bestenfalls etwa 1 Minute durch. Es war nichts anderes als der übliche hässliche Einheitsbrei von Jahr zu Jahr zu erwarten.

Es macht schlicht keinen Sinn dort auch nur Hineinzublicken.

Mädelsmode wechselt hingegen bei H & M fast wöchentlich. Es macht deutlich mehr Spaß dort nach Kleidung zu suchen, die u.U. auch für Männer tragbar wäre.

Letztlich sollte H & M seine Männerabteilung auf einen einzigen Ständer reduzieren und in den Regen vor dem Eingang platzieren. Das könnte Kosten sparen und den Gammellook nicht etwa abwerten oder schaden, denn dieser Mist sieht so oder so von Jahr zu Jahr besch…en aus.
Hallo,
da muss ich dir absolut recht geben.Habe letztens die selbe Erfahrung bei New Yorker gemacht.
Die Hemden die sie dort verkaufen,nehme ich nur noch für die Arbeit.Die passen wirklich nur zu einem Blaumann.
Gruss lyfa
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 5:52 pm

... dass Männer eigentlich keine Chance mehr haben, sich mit den traditionellen Klamotten "gut" zu kleiden, zeigt z.B. auch dieser Artikel aus dem SZ-Magazin:


Frauen haben da unter Umständen eine etwas andere Perspektive

In solchen und ähnlichen, in den letzten Jahren - gefühlt - immer häufiger auftretenden medialen Statements, die doch zumindest mal als gehässig (wenn nicht als bösartig) bezeichnet werden können, kommt zwischen den Zeilen dann immer wieder zum Vorschein, was die - ggb. Männern - unbegrenzte Kleidungsvielfalt den Frauen bringt:

Macht !

Über Männer, die durch Kleiderordnungen z.T. sinnlosester Ausprägungen (z. kein Kurzarmhemd mit Krawatte) in jeder Hinsicht und in fast jeder Lebenslage gemaßregelt werden können.
Und zwar zumindest als das, was sie ja meistens auch sind:

in optischer Hinsicht Menschen 2. Klasse !

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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 10:13 pm

nancyboy schrieb:
... dass Männer eigentlich keine Chance mehr haben, sich mit den traditionellen Klamotten "gut" zu kleiden, zeigt z.B. auch dieser Artikel aus dem SZ-Magazin:

Frauen haben da unter Umständen eine etwas andere Perspektive


Ich habe auch den Eindruck, dass solche "männerfeindlichen" Artikel immer häufiger auftreten. Kann aber auch daran liegen, dass ich gezielt danach suche aus Neugierde, welch geistiger Dünnpfiff wieder verzapft wird.
Dagegen findet man kaum Artikel, die dergleiche Kritik bei Frauen äussern. Seltwürdig und merksam, nicht?

Zur Ausgangsfrage:

Ich bin ein Mann, für wen kleide ich mich? Ganz einfach, für mich selbst Cool
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 07, 2010 10:32 pm

@teerpirat schrieb:
nancyboy schrieb:
... dass Männer eigentlich keine Chance mehr haben, sich mit den traditionellen Klamotten "gut" zu kleiden, zeigt z.B. auch dieser Artikel aus dem SZ-Magazin:

Frauen haben da unter Umständen eine etwas andere Perspektive


Ich habe auch den Eindruck, dass solche "männerfeindlichen" Artikel immer häufiger auftreten.

dito.

Diesen schnöseligen Elsen sollte man vielleicht mal abverlangen, einen Mann für 50-100 EUR stilvoll und sommertauglich zu kleiden, bzw. selbst mal in einem für Männer adäquaten Outfit einen Sommertag bei 35-40° zu durchstehen.
Ich bin mir sicher, sie würden ablassen von solch schwachsinnigen Texten.
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Hansi1973
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mi Sep 08, 2010 2:08 pm

Tja, auch wenn ich befürchte, dass wir uns im Kreise drehen, keine neuen Erkenntnisse gewinnen und leider auch nicht die konservative Mode umstürzen werden, so will auch ich meinen Senf dazu abgeben.
Diente "Kleidung" (Felle o. ä.) den ersten Menschen nur als Schutz gegen Witterung, gab es erst mit zunehmend handwerklichen Fähigkeiten die Möglichkeit, aus verschiedenen Materialien zu wählen, sie zu färben, zu bearbeiten und in unterschiedlichsten Formen zusammenzufügen und zu gestalten, so dass Kleidung nicht mehr nur dem Schutz, sondern auch als "Schmuck" dienen konnte.
Kleidung, die primär eine schützende Aufgabe hat, findet sich heutzutage vorrangig in handwerklichen Berufen wieder. Ob beim Bauarbeiter, Tischler, Kfz-Mechaniker - sie alle tragen meist wenig modische, aber praktische Bekleidung, die sie schützen oder die ihnen auch dienen (z.B. Zollstock-Tasche oder Hammerschlaufe an der Hose).
In den meisten, anderen Berufen (v.a. im Dienstleistungssektor) und Begebenheiten des Alltags (Wocheneinkauf, Kneipenbummel, Geburtstagsfeier, usw.) ist eine solche, rein auf den Schutz ausgelegte Kleidung, weder üblich, noch nötig. Bestenfalls noch in der Küche die Schürze. Wobei auch die klassische Kittelschürze, mit der die Oma vielleicht noch bei der Hausarbeit rum rannte, mittlerweile überholt ist, denn heutige Kleidung kann dank moderner Waschmaschinen leicht und schnell gereinigt werden, weshalb eine Schutzbekleidung kaum noch notwendig ist. Auch der Rückgang der Kohleöfen und der damit einhergehenden Schmutzquelle mag einen ebenso großen Anteil daran haben, dass die Hausfrau keine Schürze mehr braucht.
Es sind alles funktionale Kleidungsstücke, die nicht unbedingt modisch und hübsch sind, die aber ihren Zweck erfüllen. Darüber hinaus gibt es auch Kleidung (und wird zum Teil auch bei Arbeitsklamotten angewandt), die einen Uniformcharakter haben. Im klassischen Sinne die Uniformen der Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute. Sie hat eben nicht nur Schutzfunktion, sondern betont auch die Zugehörigkeit zu der jeweiligen Institution. Diese "Signalwirkung", sprich: an der Kleidung erkannt zu werden, wird auch von Unternehmen genutzt, zum einen als Erkennungszeichen (z.B. "Elektro Müller"), aber auch "Corporate Identity" zu unterstreichen.
Wie bereits oben gesagt: in handwerklichen Berufen und bei sonstiger körperlicher Arbeit (z.B. beim Heimwerken), ist solch funktionale Kleidung wichtig und richtig.
In allen anderen Situationen ist es - rein funktional - unerheblich, was man/ frau trägt. Hier entscheiden Angebot und Geschmack, aber eben leider auch die Erwartungshaltung der Gesellschaft. Womit wir beim eigentlichen Thema und Problem wären.

Mode ist die Momentaufnahme des Geschmacks einer bestimmten Zeit innerhalb einer bestimmten Gesellschaft. Auch wenn sich Designer noch so sehr abmühen - das was draußen auf der Straße wirklich getragen wird, ist auch abhängig von der Geschichte, der Kultur und den Werten der jeweiligen Gesellschaft. Bauchfreie Tops werden in der arabisch-muslimischen Welt weniger Absatz finden, als im Westen; Kopftücher und Burkhas entsprechend umgekehrt.
Dennoch ist Mode - wie auch die Kultur und Gesellschaft - stets im Wandel. Traditionelle Kleidung bspw. findet man bestenfalls noch in Bayern auch im Alltag, ansonsten eher zu Volksfesten und Brauchtumsveranstaltungen. Da hat sich alleine durch die Industrialisierung einiges getan - von der regionalen, dörflichen Kleidung hin zum ("globalisierten") städtischem Look.
Die klassische Rollenaufteilung, inklusive der Kleiderfrage, hat sich über Jahrhunderte gehalten. Trotz zunehmender Rechte (z.B. Wahlrecht seit 1919) für die Frau, hat es auch da noch Jahrzehnte gedauert, bis bestehende Rollen in Frage gestellt wurden, bzw. die Frauen selber das Zepter in die Hand nahmen; sei es die Familienplanung mit der Pille oder eben auch Besetzung von Führungsfunktionen in der Wirtschaft oder Politik. Ich würde sagen, die Frauen haben sich ihr Recht auf Gleichberechtigung hart erkämpft und ich finde nicht, dass sie heutzutage schlechter gestellt sind - im Gegenteil.
Aber sie haben sich nicht nur Rechte und Positionen erkämpft, sondern auch die Kleidungsstücke. Angefangen von der Hose, bishin zu Krawatte und Boxershorts mit Eingriff. Der umgangssprachliche Terminus, "die Hosen anhaben" im Sinne von "das Zepter in der Hand halten" ist ein gutes Beispiel dafür, wie Macht und Positionen in Form von Kleidung versinnbildlicht wird.
Wenn Hosen zu typisch männlichen Eigenschaften wie "Geld verdienen" zählen und Röcke zu den typisch-weiblichen, wäre es dann nicht logisch, wenn die Karriere-Frau im Hosenanzug antritt, während der Hausmann den Rock trägt?
Aber hier kommt die Heteronormativität ins Spiel. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft, dass alles "normal" ist, also der Norm entspricht: Frauen = Röcke, Männer = Hosen. Eine Frau gewinnt an Stärke dazu, wenn sie männliche Attribute und Accessoires übernimmt. Im Umkehrschluss gilt Weibliches beim Mann als Schwächung der Person. Wobei eine Frau, die man sonst vielleicht nur in Hosen kennt, nicht an Stärke verliert, nur weil sie einen Rock anzieht. Wirklich paradox.
Aber diese Heteronormativität ist es auch, die unterstellt, dass die Person, die nicht der Norm entspricht auch nicht "Hetero" im sexuellen Sinne ist. Ergo: der Mann im Rock ist schwul; die Frau mit Hose eine Lesbe.
Nur haben die Frauen in den letzten Jahrzehnten einiges dazu beigetragen, dass solche Vorurteile abgebaut werden konnten. Das hatte zum einen auch mit der beruflichen Entwicklung zu tun (nicht nur "Heimchen" am Herd zu sein), aber eben auch durch die vielen Wiederholungen - das Tragen in der Öffentlichkeit - haben dazu beigetragen, dass Hosen bei der Frau mittlerwweile als "normal" gelten. Von solch einem Weltbild sind wir Männer in Rock, Pumps, Caprihose, usw. Lichtjahre entfernt.
Während die Hose auch praktisch ist (und eben auch Stärke bedeutet), gilt das sicherlich nicht für hochhackige Schuhe.
Überhaupt ist in den Köpfen auch ein sexueller Aspekt damit verbunden. Nicht die Sache an sich, als eine Form von Fetisch, sondern als Teil und Erkennungsmerkmal der "heterosexuellen Zielgruppe" = Frau. Wenn also ein Mann einen Rock oder hohe Schuhe trägt, irritiert er damit tradierte Vorstellungen; kokettiert mit den Reizen des anderen Geschlechts. Im schlimmsten Falle wird ihm unterstellt, so für sich und seine vermeintlich homosexuelle Ausrichtung Signale zu geben und damit auch Heteromänner anlocken zu wollen.
Natürlich ist das Quatsch und ganz sicher nicht die Intention der hiesigen "Abweichler". Aber auch das sollte man(n) sich klar machen und verstehen, warum einem leichterdings mit Unverständnis und Schimpfwörtern begeg wie "Schwuchtel" entgegen schlagen.
Es wird also noch vieler mutiger Männer bedürfen, die ein heutzutage als skuril, schrill oder einfach unkonventionell gelten, als neuen Kleidernormen definieren, die dann eines Tages auch der Heteronormativität entsprechen.

Einstweilen - um die Ausgangsfrage zu beantworten - würde ich sagen, die meisten kleiden sich so, wie es ihnen die Gesellschaft abverlangt.
Ich glaube, vielen wäre es egal. Die würden auch mit dem Fußball-Trikot ins Büro gehen oder im Jogginganzug am Band arbeiten.Sie würden weiterhin weiße Tennissocken zu den schlammfarbenen Sandalen anziehen, ohne sich zu schämen.
Andererseits würden auch viel mehr Männer zu Rock und Handtasche greifen, wenn sie nicht in den Verdacht kämen, schwul zu sein und dafür ausgelacht oder angepöbelt zu werden.


Ich denke, die meisten Männer sind zu bequem und zu feige, an der jetzigen Misere der Kleidernorm etwas zu ändern.
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BeitragThema: Verlust an Männlichkeit im Rock oder Kleid ?    Sa Sep 11, 2010 2:57 pm

Hey…

Vorab …. Besten Dank für eure rege und interessante Beteiligung.

Das Üble ist, dass „Männlichkeit“ in einer absurden und unnötigen Selbstbegrenzung der Männer geendet hat. Der Mann fürchtet um seine „Männlichkeit“, um einen Verlust seiner Attraktivität, wenn er Rock oder Kleid trägt und/oder in Körperpflege investiert.

Die in Kaufhäusern angebotene Männermode lässt kaum keinen Hauch von vermeintlicher „Weiblichkeit“ zu. Kosmetik- und Pflegeprodukte gibt es zwar zwischenseitlich in Kaufhäusern, wird aber noch als „Verweichlichung“ des Mannes vom Mann angesehen.
Männer unter sich hängen immer noch dem Männlichkeitsbild von behaarter, prolliger, Schweiß tropfender und stinkender, Testosteron gesteuerter, unbeherrschter Neandertalerwildheit nach.

Die Frage - „Für wen kleiden sich Männer ?“ - kommt daher nicht von ungefähr. Die Frauen zeichnen für mich ein eher gegenteiliges neues Männerbild, als Männer annehmen. So sind in den meisten Umfragen die Mädels zu 1/3 FÜR eine völlige Veränderung des Männermodeverhaltens, 1/3 akzeptieren zumindest eine Neuorientierung und lediglich 1/3 wollen nach wie vor den Neandertaler. 2/3 der Frauen sehen eine alternativen Männermode mit Allem was dazugehört äußerst Positiv.

Das könnte den Eindruck erwecken, dass sich Männer im obigen Neandertalersinne für Männer kleiden und daher auch nicht pflegen? Wollen diese Männer überwiegend auf das eigene Geschlecht attraktiv und nur dort anerkannt wirken? Das würde weitere provokante Fragen aufwerfen?

Frauen müssten mutig einen „neuen Mann“ bei ihrem eigenen Ehemann/Freund/Umfeld auch öffentlich zulassen und nicht nur bei anderen Männern als höchst attraktiv und interessant empfinden. Denn diese Männer kleiden sich für sich selbst um sich vom Einheitsbrei der Männermode individuell hervorzuheben und sehr wohl gerade vollumfänglich attraktiv für das andere Geschlecht zu sein. Frauen machen das nicht anders.

Beste Grüße
Androgyn
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Mo Sep 13, 2010 7:04 pm

@Androgyn schrieb:
Ich hatte mir mal überlegt, welche Kleidung nebst Accessoires
1.)ausschließlich nur von Frauen,
2.)welche ausschließlich nur von Männern und
3.)welche von beiden Geschlechtern als Schnittmenge, also Unisex getragen wird.

Um das Ergebnis abzukürzen…. Es gab nur ein einziges exklusives Kleidungsstück, das ausschließlich und nur von Männern getragen wird. Es war das Latexkondom.
Tja, da muss ich dich leider Korigieren Shocked
Aber schaut selber. affraid

MFG Michael

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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 14, 2010 7:59 am

Tja,

wie ich schon mal anderswo gelesen hatte: Es gibt kein Kleidungsstück mehr, welches der Mann noch für sich hat.
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Androgyn
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BeitragThema: Re: Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?   Di Sep 14, 2010 5:33 pm

unfassbar....einfach unfassbar.....
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Herrenmode und Emanzipation, oder für wen kleiden sich Männer?

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